03 / 09 / 06

schweiß

Hurtig und bis in die entlegensten Muskelfasern mit Elan gestopft, verlasse ich das Haus und passiere den Dönerladen. Auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches zu sehen, das immer gleiche Inventar an hochverfetteten Pressfleischopfern döst kauend auf den Bänken, hebt gelegentlich die rotgesichtigen Köpfe und schaut mich aus verödeten Augen an. Alles wie immer also, nicht eines weiteren Gedankens wert, doch als ich vorbeigehe, trifft mich der Atem des Dönerladens mit heimtückischer Wucht. Eine Schweißwolke springt von einer Bank, fällt mich an und ringt mich nieder, es ist einfach zum Kotzen. Ich kann mich nicht wehren, taumele benommen weiter, will nur noch weg von hier, der Geruchshölle entkommen und meine Atemwege nicht länger den Biskin- und Schweißwinden aussetzen. Und ich schaffe es, mit letzter Kraft entwinde ich mich den Klauen menschlicher Schweißdünste und werfe im Weggehen einen Blick auf die Schweißquelle: am Ende der Tischreihen sitzt ein Frau. Sie sitzt regungslos da und starrt auf den Döner in ihrer Hand. Ahnt sie, dass ihre Synapsen von Sekunde zu Sekunde verfetten? Nein. Sie beißt noch einmal herzhaft ab, und in ihren Äuglein strahlt es schwach aber zufrieden und satt. Ich rauche erst mal eine - meine Atemwege müssen desensibilisiert werden.

31 / 08 / 06

volle pulle

Für gewöhnlich unerfreuliche Autounfälle können von höchstem Entertainmentwert für Zaungäste sein. Ich gehe am Dönerladen vorbei, als das dumpf-machtvolle Geräusch eines Auffahrunfalls mich aus meiner Abwesenheit reißt. Nichts weiter passiert, kein Personenschaden, aber volle Pulle Krach auf den Bänken vor dem Dönerladen. Ungefähr 5 abgefüllte Dauergäste des Dönerladens gröhlen schmatzend und spuckend Bier und Fleisch schluckend, als hätte soeben der Biergott dem Bionadengott einen Tritt gegeben und beömmeln sich über den Blechschaden in authentischster Schadenfreude. Volle Pulle, Volle Pulle, Alter, immer volle Pulle. Haste gesehn? Volle Pulle!

29 / 08 / 06

Was ich will

Fette betrunkene Frau:
- ich habe meine 78 kilo und das reicht mir

Fetter Mann sagt etwas zu ihr, das sie anscheinend missversteht.

Fette Frau, zunehmend lauter werdend, das beschwichtigende Gerede des fetten Manns ignorierend:

- ich kann fressen was ich will
- ich fresse jetzt was ich will
- soweit kommts noch, dass ich mir verbieten lasse, was ich fresse
- ich fresse, was ich will
- ich kann alles fressen, was ich will

Fettwind

Der Dönerladen. Unweigerlich kommt hier vorbeigelaufen, wer in die Tram einsteigen oder auch nur die Kreuzung überqueren will, wie auch immer, er lauert träge und riechend wie ein alter fettgefressener Lurch im Schutze eines entsetzlich alten Steines. Bewegt sich der Lurch, öffnet er sein Maul, dringt der Geruch seines Atems in Kleiderfalten und Hautporen, in Haarfasern und Gehwegritzen. Geh weg, scheinen die Parasiten zu gröhlen, die unter der Markise sich mit Pressfleisch aus Berlin-Brandenburg vergiften, deren Häute die Konsistenz eines übergaren Leberkäses angenommen haben und deren Haare von Zigarettenrauch und schalem Bier imprägniert keiner Pflege bedürfen.
Fett - überall Fett. Halte den Atem sage ich zu mir, wenn der Wind das Grillfett zu mir trägt, wenn der Fettwind sich um mich und auf meine Kleider legt. Ich kann nicht anders, habe keine Alternative. Die Straße zu überqueren ist zwecklos, denn ich kann ihm nicht entkommen. Wenn es Sommer ist und der Wind ungünstig steht, rieche ich den Geruch von Pressfleisch, den der Fettwind durch die geöffnete Fenster trägt.

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Zuletzt aktualisiert: Oktober 21, 07:47

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